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Edwin de Zeeuw warnt: Ohne Automatisierung schafft es ein Teil der Fertigungsindustrie nicht

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Redactie
11 jun 2026 · 7 Min. Lesezeit

Die niederländische Fertigungsindustrie konnte sich jahrelang immer weiter in Richtung komplexerer Arbeit bewegen. Einfache Produktion wanderte in Niedriglohnländer ab, während sich die Niederlande zunehmend stärker in den Bereichen Hightech, Präzision und komplexem Maschinenbau positionierten. Dieses Modell hat viel gebracht, doch laut Edwin de Zeeuw, Direktor von Mikrocentrum, gerät es allmählich unter Druck. Denn wenn man die einfachere Arbeit abgibt, verliert man auch einen Teil des Fertigungswissens, die Breite der Wertschöpfungskette und letztlich vielleicht sogar die Basis für jene Komplexität, in der man gerade so gut geworden ist.

Damit ist Automatisierung laut Edwin de Zeeuw kein Luxusprojekt, sondern ein notwendiger nächster Schritt. Nicht nur, um effizienter zu produzieren, sondern um zu verhindern, dass Unternehmen in einem Markt, der bereits eine schmerzhafte Neuordnung durchläuft, strukturell den Anschluss verlieren.

Einfache Arbeit verschwand – und mit ihr ein Stück Fertigungswissen

Laut Edwin de Zeeuw haben sich die Niederlande in den vergangenen Jahrzehnten immer weiter „up in the value chain“ bewegt. Weil wir hier für einfache Arbeit zu teuer wurden, ist diese Arbeit zunehmend ins Ausland verlagert worden. Übrig blieb komplexere Arbeit: hochpräziser Maschinenbau, Hightech-Montage und spezialisierte Systeme, angetrieben durch Akteure wie Philips, ASML und Thermo Fisher.

Das hat den Niederlanden viel gebracht. Doch laut Edwin de Zeeuw wirft es auch eine unbequeme Frage auf: Wie lange kann man die Spitze der Kette weiter dominieren, wenn die Basis immer weiter erodiert? Denn wenn Produktion verschwindet, verschwinden auch Erfahrung, Prozesswissen und die Fähigkeit, als Kette weiterhin eine Gesamtlösung zu bauen.

Im Nachhinein zu behaupten, Unternehmen hätten automatisieren müssen, ist zu einfach

Die logische Gegenfrage lautet natürlich: Hätten diese Unternehmen früher automatisieren müssen? Theoretisch ja, doch Edwin de Zeeuw ergänzt hier sofort eine wichtige Nuance. Denn Automatisierung erfordert Vision, Mut und vor allem Geld. Und gerade Letzteres war für viele kleinere Unternehmen in der Fertigungsindustrie nicht selbstverständlich. Die Margen waren selten außergewöhnlich hoch. Viele Unternehmen hatten schlicht nicht genügend finanzielle Reserven, um immer wieder große Investitionen zu tätigen.

Das zeigt sich nun im Markt. Manche Unternehmen waren früh genug dran, bauten einen Vorsprung auf und wachsen weiter. Andere sitzen fest zwischen steigenden Anforderungen, Investitionsdruck und zu wenig finanziellem Spielraum, um noch wirklich aufzuholen.

Wer nicht investiert, fährt am Ende hart gegen die Wand

Edwin de Zeeuw ist bemerkenswert deutlich darin, was passiert, wenn Unternehmen nicht in Automatisierung investieren. Dann halten sie es seiner Ansicht nach letztlich schlicht nicht durch. Es beginnt oft klein: Es wird etwas schwieriger, wettbewerbsfähig zu bleiben, etwas schwieriger, Personal zu finden, etwas schwieriger, die Margen zu halten. Doch irgendwann gerät es wirklich unter Druck. Und wer dann noch nicht investiert hat, gerät in einen Spagat. Man liegt zurück, hat aber gleichzeitig keinen Spielraum mehr, diese Lücke gut zu schließen.

Banken werden zurückhaltender, die Zahlen verschlechtern sich, und der Abstand zu den Vorreitern wird nur größer. Laut Edwin de Zeeuw ist dieser Shake-out inzwischen bereits im Gange. Unternehmen gehen unter, werden übernommen oder von vornherein in größere Gruppen eingegliedert, die sehr wohl über die Mittel verfügen, um zu investieren.

Auch die Hightech-Kette ist verletzlicher geworden

Eine zusätzliche Komplikation ist, dass der Markt selbst unberechenbarer geworden ist. Edwin de Zeeuw nennt ausdrücklich die Dynamik rund um ASML, wo Jahre starken Wachstums Zulieferer dazu angeregt haben, hochzuskalieren, Personal einzustellen und in neue Maschinen zu investieren. Doch sobald eine solche Marktbewegung abflacht oder sich vorübergehend umkehrt, erweisen sich diese Investitionen auch als Quelle der Verletzlichkeit.

Das macht das Spielfeld komplex. Große OEMs sagen ihren Lieferanten, sie dürften nicht zu abhängig von einem einzigen Kunden sein, erwarten aber gleichzeitig, dass eben diese Lieferanten maximal bereitstehen, um in Spitzenzeiten zu liefern. Diese Spannung ist laut Edwin de Zeeuw nicht einzigartig für den Hightech-Bereich, war im vergangenen Jahr aber in dieser Branche besonders sichtbar.

Die Lösung liegt nicht nur in Maschinen, sondern in stärkeren Ketten

Laut Edwin de Zeeuw wird die Zukunft der Fertigungsindustrie deshalb nicht allein durch Maschinen oder Software bestimmt, sondern gerade durch die Qualität der Zusammenarbeit im Ökosystem. Kenntnis voneinander, Vertrauen in die Rolle des anderen und ehrliche Kommunikation darüber, was möglich ist und was nicht, sind seiner Ansicht nach entscheidend. Dafür ist menschliche Interaktion nötig. Nicht nur digitale Prozesse und Portale, sondern echte Gespräche zwischen Unternehmen, die gemeinsam die Kette bilden.

Das ist auch der Grund, warum Mikrocentrum so stark daran glaubt, Menschen physisch zusammenzubringen. Nicht aus Nostalgie, sondern weil systemischer Wandel laut Edwin de Zeeuw nur entsteht, wenn Unternehmen einander kennen, miteinander im Gespräch bleiben und gemeinsam herausfinden, wie das Modell der Zukunft aussehen soll.

Der eigentliche Wandel ist systemisch, nicht lokal

Eine der stärksten Beobachtungen im Gespräch ist, dass das bestehende System sehr lange funktioniert hat, nun aber unter Druck steht. Laut Edwin de Zeeuw ist nicht nur Optimierung nötig, sondern nahezu ein systemischer Wandel. Das bedeutet, dass es nicht mehr ausreicht, nur auf Unternehmensebene einige Verbesserungen umzusetzen. Die Frage ist größer geworden: Wie bleibt die gesamte Kette aus Auftraggebern, Zulieferern, Integratoren und Wissenspartnern in einer neuen Realität funktionsfähig?

Diese Realität dreht sich um höhere Komplexität, größeren Investitionsdruck, Personalmangel und eine Kette, die nicht mehr automatisch stabil ist.

Automatisierung ist also weit mehr als ein internes Projekt

Das macht Automatisierung laut Edwin de Zeeuw umfassender als eine interne Effizienzverbesserung. Es geht nicht nur um einen Roboter in der Werkstatt oder ein Softwaretool im Engineering, sondern um die Fähigkeit der Kette, Arbeit hier zu halten, sich schneller anzupassen und intelligenter zu produzieren. Unternehmen, die dabei vorangehen, schaffen sich Spielraum, um mitgehen zu können. Unternehmen, die weiter abwarten, werden zunehmend abhängig von einem Markt, der weniger nachsichtig geworden ist.

Warum Mikrocentrum weiter auf physische Begegnung setzt

Edwin de Zeeuw erklärt auch, warum Mikrocentrum dabei eine Rolle spielen möchte. Seiner Ansicht nach liegt die Stärke der Plattform gerade darin, Menschen rund um Technologie physisch zusammenzubringen. Nicht nur über Fachmessen, sondern auch über Aus- und Weiterbildungen, Kurse und Begegnungen zwischen Ingenieuren, Entwicklern und Unternehmen der Hightech-Fertigungsindustrie.

Diese zufällige Begegnung ist laut Edwin de Zeeuw alles andere als unverbindlich. Sie ermöglicht es, neue Lösungen zu sehen, Partner zu finden und ein und dasselbe Problem aus mehreren Blickwinkeln zu betrachten. Genau das ist nötig in einer Zeit, in der Unternehmen nicht mehr nur ihre eigene Organisation optimieren müssen, sondern ihren Platz in einer sich wandelnden Kette neu verstehen müssen.

Die Automation Experience soll Unternehmen wachrütteln

In diesem Licht ordnet Edwin de Zeeuw auch die Veranstaltung Automation Experience ein. Seiner Ansicht nach liegt die Stärke einer solchen physischen Messefläche gerade darin, dass dort eine breite Perspektive zusammenkommt. Man sieht dort nicht nur eine einzelne Technologie oder einen einzelnen Lieferanten, sondern ein komplettes Feld aus Integrationspartnern, Zulieferern und Praxisbeispielen.

Das macht es für Unternehmen effizienter, zu erkunden, wo sie stehen, was verfügbar ist und welche Fragen sie sich eigentlich stellen müssen. Nicht jedes Unternehmen muss alles selbst erfinden. Manchmal beginnt Fortschritt schlicht damit, Lösungen zu sehen, die andernorts bereits existieren.

Wer weiter zögert, verliert vor allem Zeit

Auf die Frage, was er Unternehmen mitgeben möchte, die noch zögern, kommt Edwin de Zeeuw auf denselben Kernpunkt zurück: Man muss nicht sofort alles lösen, aber man muss in Bewegung kommen. Denn wer weiter aufschiebt, den überrollt der Wandel am Ende. Und dann gibt es viel weniger Spielraum, um noch selbst die Richtung zu wählen.

Das ist vielleicht die schärfste Botschaft aus diesem Gespräch. Nicht zu automatisieren ist heute ebenfalls eine Entscheidung. Nur ist es eine, die in den kommenden Jahren immer schwerer durchzuhalten sein wird.

Fazit

Die Analyse von Edwin de Zeeuw ist eindeutig: Die Fertigungsindustrie kann nicht länger von dem Modell zehren, das jahrelang funktioniert hat. Einfache Arbeit ist verschwunden, die Kette ist verletzlicher geworden, und Unternehmen, die zu lange mit Investitionen warten, geraten immer schneller in Bedrängnis. Automatisierung ist damit kein Projekt für später, sondern eine Voraussetzung, um überhaupt weiter mithalten zu können.

Dabei ist die Lösung nicht nur technologischer Natur. Es geht ebenso um Wissenserhalt, Zusammenarbeit in der Kette und den Mut, früher zu investieren, als es sich komfortabel anfühlt. Wer das nicht tut, läuft laut Edwin de Zeeuw am Ende nicht nur hinterher, sondern droht schlicht aus dem Blickfeld zu verschwinden.


FAQ

Wer ist Edwin de Zeeuw?

Edwin de Zeeuw ist seit Oktober 2023 Direktor von Mikrocentrum und hat einen Hintergrund in Technik, Hightech-Fertigungsindustrie, Innovation und Start-ups.

Worin sieht Edwin de Zeeuw die größte Veränderung in der Fertigungsindustrie?

Darin, dass einfachere Arbeit immer weiter ins Ausland abgewandert ist, während sich die Niederlande in Richtung komplexerer Produktion bewegen. Dadurch gerät auch die Wissensbasis unter Druck.

Warum ist Automatisierung laut Edwin de Zeeuw so wichtig?

Weil Unternehmen ohne Investitionen in Automatisierung letztlich nicht wettbewerbsfähig bleiben und in einem Markt, der immer härter selektiert, feststecken.

Was meint Edwin de Zeeuw mit einem systemischen Wandel?

Dass nicht nur einzelne Unternehmen sich verbessern müssen, sondern dass die gesamte Kette aus Auftraggebern, Zulieferern und Partnern anders zusammenarbeiten muss.

Warum glaubt Mikrocentrum so stark an physische Veranstaltungen?

Weil physische Begegnung hilft, Wissen zu teilen, Vertrauen aufzubauen und Lösungen aus mehreren Perspektiven zusammenzubringen.

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