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Warum Doeko Automatisierung nicht pro Maschine, sondern als ein Fabriksystem denkt

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Redactie
2 jun 2026 · 10 Min. Lesezeit

Was einst als Werkzeugbau für Stanzwerkzeuge und Formen begann, hat sich bei Doeko zu einer hochautomatisierten Produktionsumgebung für Hightech-Präzisionskomponenten und Modulbau entwickelt. Laut Gertjan und Bart ist dieser Wandel kein Luxus, sondern schlicht eine Notwendigkeit, um in den Niederlanden wettbewerbsfähig zu bleiben.

Was Doeko interessant macht, ist nicht nur die Tatsache, dass das Unternehmen automatisiert, sondern vor allem das Wie. Während viele Unternehmen einzelne Maschinen oder Zellen automatisieren, denkt Doeko von der Fabrik als einem zusammenhängenden System aus. Maschinen, Transport, Spannmittel, Software und Prozesslogik müssen darin aufeinander abgestimmt sein. Und genau darin liegt laut dem Familienunternehmen der eigentliche Mehrwert.

Vom Werkzeugbau zum Hightech-Modulbau

Doeko begann als klassischer Werkzeugbau. Zunächst drehte sich beim Unternehmen alles um Stanzwerkzeuge, später kamen Formen hinzu. Das waren komplexe Einzelstücklösungen, die notwendig sind, um große Stückzahlen von Produkten zu ermöglichen. Doch dieser Ursprung passt laut Doeko weniger gut zu der Fabrik, die es heute sein möchte.

Inzwischen liegt der Fokus auf Hightech-System- und Modulbau sowie auf der Produktion von Präzisionskomponenten in größeren Stückzahlen. Dieser Schritt veränderte auch die Logik des Unternehmens. Wo früher die Werkzeuge im Mittelpunkt standen, geht es heute viel stärker um Wiederholbarkeit, Genauigkeit, Stabilität und einen clever gestalteten Materialfluss durch die Fabrik.

Das Familienunternehmen denkt langfristig

Im Gespräch wird deutlich, dass Doeko stark als Familienunternehmen denkt. Das zeigt sich nicht nur in der Eigentümerstruktur, sondern auch in der Art und Weise, wie über Investitionen entschieden wird. Alles, was hier steht, wurde vom Unternehmen selbst aufgebaut und bezahlt. Das macht die Entscheidungen vielleicht vorsichtiger, aber auch grundlegender. Investitionen müssen zur Kontinuität, zur Wissenssicherung und zu einer gesunden Position auf lange Sicht beitragen.

Automatisierung ist dabei kein Gadget oder Prestigeprojekt, sondern ein strategisches Mittel.

Automatisierung begann als Antwort auf den Wettbewerb mit Niedriglohnländern

Der wichtigste Grund für den starken Fokus auf Automatisierung ist laut Doeko glasklar: der Wettbewerb mit Niedriglohnländern. Das Unternehmen hat sich dagegen stets gestemmt – nicht aus Sentiment, sondern aus der Überzeugung, dass man eine starke Wirtschaft und eine echte Wissensposition nur halten kann, wenn man auch lokal produziert.

Automatisierung hilft dabei auf drei Ebenen. Sie senkt die Kosten, erhöht den Output und macht die Prozesse stabiler. Doch darunter liegt noch eine vierte Ebene: die Sicherung von Wissen. Denn laut Doeko kann man nicht ernsthaft von einer Wissensökonomie sprechen, wenn man die Produktion aus dem eigenen Umfeld verschwinden lässt.

Wissen verschwindet, wenn die Produktion verschwindet

Dieser Punkt wird im Gespräch scharf herausgearbeitet. Doeko spürt selbst, wie schwierig es geworden ist, neues Talent zu gewinnen. Das Angebot ist gering. Gerade deshalb ist es laut dem Unternehmen entscheidend, Produktion, Handwerkskunst und technologische Entwicklung hier zu halten. Andernfalls verliert man auf Dauer nicht nur Kapazität, sondern auch die Wissensbasis, auf der Innovation beruht.

In dieser Logik ist Automatisierung also nicht nur ein Effizienzinstrument, sondern auch ein Weg, um hochwertiges Fertigungswissen im Unternehmen und in den Niederlanden zu bewahren.

Doeko entwickelt Automatisierung weitgehend selbst

Eines der auffälligsten Merkmale von Doeko ist, dass das Unternehmen einen Großteil seiner Automatisierung selbst entwickelt. Das ist nicht nur eine Kostenfrage, sondern vor allem eine Entscheidung, die zur Unternehmenskultur passt. Bart nennt Doeko eigensinnig und innovativ. Die Standardlösungen aus dem Markt passen seiner Meinung nach längst nicht immer gut zu dem, was sie brauchen.

Deshalb hat Doeko eine eigene Mechatronik-Abteilung aufgebaut. Sobald es viele sich wiederholende Handgriffe gibt, beginnt das Unternehmen intern zu brainstormen: Lässt sich das cleverer, effizienter und besser automatisieren? Diese Lösungen werden dann nicht nur ausgedacht, sondern auch im eigenen Haus konstruiert und gebaut.

Wiederholung cleverer zu organisieren, liegt in der DNA

Laut Bart sitzt dieser Reflex tief im Unternehmen. Wenn eine Aufgabe häufig wiederkehrt, entsteht schnell die Idee, dass dieser Handgriff cleverer erledigt werden müsste. Das ist mehr als ein technischer Kniff; es ist Teil der Unternehmenskultur. Wiederholung löst Verbesserung aus. Nicht gelegentlich, sondern strukturell.

Diese Mentalität kommt nicht aus dem Nichts. Doeko hatte zuvor bereits Erfahrung mit Spritzguss, Produktentwicklung und Robotisierung gesammelt. Diese ersten Schritte bildeten die Grundlage für das heutige Automatisierungsdenken.

Die erste große Beschleunigung kam, als die Produktion wirklich skalieren musste

Ein wichtiger Moment in der Geschichte von Doeko ist die Produktion eines erfolgreichen Produkts, das über Moooi auf den Markt gebracht wurde. Als dieses Produkt an Zugkraft gewann, musste die Produktion plötzlich auf ein höheres Niveau gebracht werden. Darin lag laut dem Unternehmen der eigentliche Anstoß, Automatisierung ernsthaft anzugehen. Die ersten Roboter kamen damals ins Haus und bildeten den Beginn eines Lernprozesses, der bis heute anhält.

Das ist eine interessante Lektion: Automatisierung beginnt oft nicht mit einem abstrakten Plan, sondern mit einer konkreten Situation, in der man schlicht anders produzieren muss, um liefern zu können.

Einfach anfangen ist laut Doeko noch immer der beste Rat

Auf die Frage nach den größten Lektionen aus diesem Prozess antwortet Bart bemerkenswert pragmatisch. Seine Antwort: einfach anfangen. Denn Automatisierung läuft nie von allein. Man stößt auf Probleme, die man vorher nicht vorhergesehen hat. Doch gerade indem man startet, Wissen aufbaut und Schritt für Schritt verbessert, lernt man, was funktioniert und was nicht.

Hinzu kommt seiner Meinung nach noch etwas anderes: Standardisierung. Nicht immer wieder eine Look-alike-Lösung bauen, sondern auf festen Prinzipien und Standards weiterentwickeln. Genau das macht Automatisierung skalierbar.

Doeko automatisiert keine einzelnen Zellen, sondern die Fabrik als Ganzes

Hier liegt vielleicht der wichtigste Unterschied von Doeko. Viele Unternehmen automatisieren pro Maschine oder pro Zerspanungszelle. Dafür lässt sich am Markt vieles kaufen. Doch Doeko hat bewusst eine andere Entscheidung getroffen: nicht die einzelnen Zellen optimieren, sondern darüber nachdenken, wie die gesamte Fabrik als ein automatisierter Prozess funktionieren kann.

Das hat viel mit der Art der Arbeit zu tun, die das Unternehmen leistet. Die Bauteile, die Doeko produziert, sind hochpräzise und multidisziplinär. Sie müssen oft mehrere Schritte in der Fabrik durchlaufen: Fräsen, Reinigen, Messen, Drahterodieren und weiteres. Wenn man diese Schritte jeweils als einzelne automatisierte Inseln betrachtet, bleibt der Transport dazwischen ein Problem. Und genau dort geht Effizienz verloren.

Die eigentliche Herausforderung liegt im Fluss zwischen den Bearbeitungsschritten

Laut Bart darf Automatisierung also nicht bei der Maschine aufhören. Der Prozess dazwischen ist mindestens ebenso wichtig. Deshalb hat Doeko auf ein System gesetzt, in dem sich Bauteile und Spannmittel als Teil eines Flusses durch die Fabrik bewegen können. Das macht die Fabrik grundlegend anders als eine Ansammlung von Zellen.

Diese Art der Automatisierung lässt sich laut Doeko nicht schlüsselfertig kaufen. Und genau deshalb hat das Unternehmen sie selbst entwickelt.

AGVs und zentrale Spannmittel machen das System flexibel

Ein konkretes Beispiel dafür ist die Art und Weise, wie Doeko mit Spannmitteln arbeitet. Anstatt für jede einzelne Zelle ein eigenes Spannsystem zu haben, sind diese Mittel in einem zentralen Lager zusammengeführt. Mithilfe von AGVs werden sie zu den richtigen Maschinen gebracht. Dadurch kann eine Palette oder Spannvorrichtung über mehrere Maschinen hinweg genutzt werden.

Das sorgt für eine deutlich höhere Rotation der Spannmittel und macht das System flexibler. Bei einer Kapazitätserweiterung muss man dadurch nicht jedes Mal komplette einzelne Automatisierungszellen mit eigenem Tooling aufbauen, sondern kann cleverer auf dem Bestehenden aufbauen.

Die Automatisierung nahm ab 2018 wirklich Gestalt an

Obwohl Doeko schon länger mit Automatisierung beschäftigt war, kam ab 2018 wirklich Schwung in das größere Systemdenken. Das hatte auch mit einer Förderung aus dem Programm Slimme en Schone Fabriek van de Toekomst der Provinz Gelderland zu tun. Doeko gewann damals 200.000 Euro, was laut dem Unternehmen ein wichtiger Startschuss war, um die Pläne nicht nur zu entwerfen, sondern auch tatsächlich umzusetzen.

Seitdem wird das System kontinuierlich erweitert. Und das bedeutet laut Doeko auch, dass Automatisierung nie „fertig“ ist.

Eine Fabrik zu automatisieren ist ein fortlaufender Prozess

Auf die Frage, ob es einen Endpunkt gebe, antwortet Doeko eigentlich verneinend. Das aktuelle System funktioniert gut, doch es kommen auch immer wieder neue Einschränkungen zum Vorschein. Dadurch entwickelt sich das Unternehmen ständig weiter. Auf lange Sicht werden sogar wieder neue Produktionslinien hinzukommen, in denen die Lektionen der aktuellen Linie erneut angewendet werden – dann aber wieder anders.

Das macht Automatisierung hier nicht zu einem Projekt, sondern zu einem kontinuierlichen Lern- und Aufbauprozess.

Wachstum erfordert auch Raum, Klimatisierung und Energieeinblick

Doeko denkt inzwischen bereits über die bestehende Halle hinaus. Die Zeichnungen für die Erweiterung liegen bereit, die Genehmigung ist erteilt, und das Unternehmen möchte von 4.000 auf 7.000 Quadratmeter wachsen. In dieser Erweiterung entstehen auch Reinräume im Obergeschoss für die Montage von Modulen.

Interessant ist, dass dabei nicht nur an Raum gedacht wird, sondern auch an Klimastabilität und Energie. Für Doeko ist die Temperaturbeherrschung essenziell für eine präzise Produktion. Zugleich möchte das Unternehmen energiesparend produzieren und daher auch deutlich genauer auf den Energieverbrauch und die clevere Nutzung des Energieangebots achten.

Die Ambition: ein ernstzunehmender Akteur im Hightech-Modulbau

Wo will Doeko in fünf bis zehn Jahren stehen? Der Kurs ist klar: zu einem ernstzunehmenden Akteur in den Niederlanden im Bereich Hightech-Modulbau heranwachsen, mit hoher Wertschöpfung sowohl bei Präzisionsteilen als auch bei Baugruppen.

Die idealen Kunden sind laut dem Unternehmen Betriebe, die wiederholt Bedarf an mechatronischen Systemen haben, vorzugsweise mit Elektronik, Teststufen und Abstimmung. Gerade dort kann Doeko seine Kombination aus Produktion, Automatisierung und Prozessbeherrschung am besten zeigen.

Automatisieren erfordert mehr, als einen Roboter zu kaufen

Die vielleicht wichtigste Lektion, die Doeko anderen Unternehmern mitgibt, ist, dass Automatisierung weit mehr ist als die Anschaffung von Hardware. Man muss ernsthaft Zeit dafür freimachen, Menschen darauf ansetzen und den Mut aufbringen, in den gesamten Prozess von Entwicklung, Test, Verbesserung und Inbetriebnahme zu investieren. Einen Roboter zu kaufen ist noch nicht dasselbe wie erfolgreich zu automatisieren.

Deshalb nennt Bart auch ausdrücklich die Bedeutung von Studierenden, Mechatronik-Ausbildungen und der Freistellung von indirektem Personal für die Arbeit an solchen Projekten. Ohne diese Entwicklungskapazität passiert letztlich wenig.

Führung erfordert Glauben, Mut und Begeisterung

Auch Führung spielt dabei eine große Rolle. Laut Doeko braucht man Begeisterung, den Mut zu investieren und vor allem den Glauben daran, dass es sinnvoll ist. Man muss es genießen, es gemeinsam mit einem Team zu entwickeln. Ohne diesen Glauben und ohne diese Begeisterung wird Automatisierung schnell zu einer Pflicht statt zu einer Chance.

Bei Doeko scheint diese Begeisterung breit verankert zu sein. Das gesamte Unternehmen denkt mit, auch wenn es ein Kernteam gibt, das die Automatisierung tatsächlich baut. Laut Bart ist das auch nötig: etwas zu konstruieren ist eine Sache, es anschließend effektiv in der Praxis einzusetzen erfordert das Engagement der gesamten Organisation.

Ohne Digitalisierung funktioniert Automatisierung nicht

Ein letzter wichtiger Punkt aus dem Gespräch ist die Rolle der Digitalisierung. Doeko ist dabei sehr deutlich: Ohne Digitalisierung hätte ihre Automatisierung nicht funktionieren können. Alle Zellen sind vernetzt, und darüber liegt eine Softwareplattform, ein MES-System, das den gesamten Fluss steuert.

Damit macht Doeko auch deutlich, dass Automatisierung nie nur eine Roboterfrage ist. Es geht ebenso um Daten, Software, Einblick und Steuerung. Wer automatisieren möchte, muss also auch ernsthaft über Digitalisierung nachdenken.

Fazit

Die Geschichte von Doeko zeigt, dass Automatisierung erst dann wirklich schlagkräftig wird, wenn man über einzelne Maschinen und einzelne Zellen hinausblickt. Indem das Familienunternehmen die Fabrik als ein System begreift – mit zentralen Spannmitteln, AGVs, MES-Software und einem selbst entwickelten Fluss – baut es ein Modell auf, das sich weitaus schwerer kopieren lässt als eine Standardzelle vom Markt.

Die Botschaft von Gertjan und Bart an andere Unternehmer ist dabei bemerkenswert direkt: anfangen, den Mut zu investieren aufbringen und ernsthaft Zeit dafür freimachen. Denn wer in den Niederlanden Hightech-Produktion erhalten und ausbauen möchte, kann es sich laut Doeko schlicht nicht leisten, Automatisierung aufzuschieben. Oder wie es das Unternehmen selbst zusammenfasst: Wenn man es nicht tut, ist man zum Untergang verurteilt.


FAQ

Was macht Doeko genau?

Doeko produziert Hightech-Präzisionskomponenten und baut mechatronische Module und Systeme mit hoher Wertschöpfung. Ursprünglich stammt das Unternehmen aus dem Werkzeugbau für Stanzwerkzeuge und Formen.

Warum automatisiert Doeko so stark?

Um mit Niedriglohnländern wettbewerbsfähig zu bleiben, den Output zu erhöhen, Prozesse stabiler zu machen sowie Produktion und Wissen in den Niederlanden zu bewahren.

Warum entwickelt Doeko viel Automatisierung selbst?

Weil Standardlösungen aus dem Markt nicht gut genug zur Fabrik als Ganzes passen. Doeko möchte nicht nur einzelne Zellen automatisieren, sondern den gesamten Fluss durch die Fabrik.

Welche Rolle spielt die Digitalisierung bei Doeko?

Eine entscheidende Rolle. Alle Zellen sind über eine einzige Softwareplattform, ein MES-System, vernetzt, das die Automatisierung steuert. Ohne diese Digitalisierung würde das System nicht funktionieren.

Was ist laut Doeko der wichtigste Rat an andere Unternehmen?

Ernsthaft Zeit dafür freimachen, Menschen darauf ansetzen und den Mut zu investieren aufbringen. Automatisierung ist mehr als den Kauf eines Roboters; sie erfordert Entwicklung, Durchhaltevermögen und Vision.

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