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EU einigt sich nach Streitnacht und diplomatischen Schleichwegen doch noch auf Mega-Klimaziel für 2040

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Redactie
5 nov 2025 · 3 Min. Lesezeit

BRÜSSEL – Es war eine Nacht voller hitziger Diskussionen, geopolitischen Tauziehens und diplomatischer Überzeugungsarbeit, doch nach stundenlangen Verhandlungen haben sich die EU-Mitgliedstaaten am Mittwochmorgen geeinigt: Bis 2040 sollen die Treibhausgasemissionen um 90 % sinken – gegenüber dem Niveau von 1990.

Der Deal kam erst nach zahlreichen Ausstiegsklauseln, „Testphasen“ und geschickten Ausnahmen zustande, die nötig waren, um Länder wie Polen ins Boot zu holen. Die Verhandlungen begannen am Dienstagnachmittag und endeten erst in den frühen Morgenstunden.

EU-Kommissar Wopke Hoekstra, der die Verhandlungen leitete, entlockte sich noch einen Scherz:

„Ich habe es genossen. Aber lassen Sie uns das nicht zu oft machen.“


Klimasturm in Brüssel: Carbon Credits, Aufschübe und Streit um Ausnahmen

Nicht das Ziel selbst, sondern vor allem die Möglichkeiten, davon abzuweichen, führten zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen den Mitgliedstaaten. Insbesondere der Einsatz von Carbon Credits – Kompensation über Klimaprojekte außerhalb der EU – erwies sich als Zankapfel.

Die wichtigsten Streitpunkte:

  • Hoekstra wollte höchstens 3 % des Ziels über ausländische Projekte erreichen.
  • Frankreich und Polen wollten mindestens 5 %, Polen sogar 10 %.
  • Einige Länder forderten, dass Carbon Credits bereits ab 2031 eingesetzt werden könnten, nicht erst ab 2036, wie Hoekstra vorschlug.

Der Kompromiss:

Höchstens 5 % über Carbon Credits
Startdatum bleibt 2036
Es kommt aber eine Testphase 2031–2035

Unter extremen Umständen können noch einmal 5 % zusätzlich eingesetzt werden

Darüber hinaus wird die umstrittene CO₂-Abgabe auf Benzin, Diesel und Heizkosten um ein Jahr verschoben: nicht 2027, sondern 2028.


Wettbewerbsfähigkeit gegen Klima: „Wir wollen nicht unsere gesamte Wirtschaft zerstören“

Die europäischen Klimadebatten sind explosiv geworden, vor allem aus Sorge um Industrie, Arbeitsplätze und internationalen Wettbewerb.

Der polnische Minister Krzysztof Bolesta sagte es unumwunden:

„Wir wollen weder die Wirtschaft noch das Klima kaputtmachen. Wir müssen beides retten.“

Auch die geschäftsführende Ministerin Sophie Hermans betonte die Bedeutung von Stabilität:

„Wir müssen Ehrgeiz zeigen, aber flexibel bleiben.“


Warum dieses 2040-Ziel so wichtig ist

Europa will bis 2050 klimaneutral sein. Zwischenziele sind nötig, um auf Kurs zu bleiben:

  • 2030: 55 % weniger Emissionen
  • 2040: nun also -90 %
  • 2035: wird während des Klimagipfels in Brasilien festgelegt

Wo es politisch heikel wurde:
➡️ Das 2040-Ziel konnte mit einer breiten Mehrheit angenommen werden
➡️ Doch das 2035-Ziel, das Europa zum UN-Klimagipfel mitnimmt, muss einstimmig beschlossen werden

Länder, die beim 2040-Ziel nicht zum Zug kamen, konnten also das 2035-Ziel als Faustpfand nutzen. Deshalb war für jeden etwas im Kompromiss dabei.

Die Vereinbarung für 2035 enthält keine konkrete Zahl, sondern eine Spanne:
66,25 % bis 72,5 % CO₂-Reduktion.


UN-Bericht: Die Erde steuert weiterhin auf gefährliche Erwärmung zu

Unterdessen veröffentlichte das UN-Umweltprogramm UNEP einen alarmierenden Bericht:

  • Die Erde erwärmt sich in diesem Jahrhundert voraussichtlich um 2,3 bis 2,5 Grad
  • Das ist weniger als die 2,6–2,8 Grad des Vorjahres
  • Aber immer noch deutlich über der Vereinbarung von Paris: „deutlich unter 2 Grad“

Dennoch finden einige Länder, dass Europa bereits mehr als genug tut. Ungarns Staatssekretärin Anikó Raisz reagierte scharf:

„Wir tun mehr als jeder andere. Wir müssen uns für nichts schämen.“


Zwischen schmelzenden Gletschern und Industriepolitik sucht Europa das Gleichgewicht

Der dänische Minister Lars Aagaard brachte den Spagat, in dem sich Europa befindet, auf den Punkt:

„Wir alle spüren die Folgen des Klimawandels. Aber Europa muss auch ein Ort bleiben, an dem Menschen leben und Unternehmen investieren wollen.“


Fazit: eine Einigung, die eher einem Puzzle als einem Plan gleicht

Die EU hat ein Klimaziel für 2040, doch es kommt mit so vielen Ausnahmen, Testphasen, Notbremsen und Schlupflöchern daher, dass es eher einem politischen Kompromiss als einem harten Kurs Richtung Netto-Null gleicht.

Dennoch hat Europa damit ein wichtiges Signal in Richtung Klimagipfel in Brasilien gesetzt: Trotz Streit, Druck und wirtschaftlicher Sorgen bleibt die EU einer der ehrgeizigsten Klimablöcke der Welt.

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