In der Fertigungsindustrie wird hart um Preise verhandelt. Ein Kampf um jeden Cent. Doch währenddessen verschwinden täglich Euros – und manchmal Hunderttausende – aus Unternehmen, verursacht durch Kosten, die nirgendwo ausdrücklich auf der Rechnung stehen. In der neuesten Folge des Video-Podcasts von deindustrie.online ist Joost van Kobout zu Gast, um genau das offenzulegen: die versteckten Kosten rund um Verbindungselemente, Logistik und Supply-Chain-Prozesse.
Was dieses Gespräch interessant macht, ist die Tatsache, dass es nicht um Theorie oder Beratersprache geht. Es geht um die Praxis. Um Kartons, die reißen. Um Schrauben, die gerade eben fehlen. Um Produktionslinien, die wegen einer Sache stillstehen, die jeder als „Nebensache“ betrachtet.
Der größte Kostenfaktor liegt nicht im Preis des Produkts
Wenn Unternehmen an Kostenkontrolle denken, liegt der Fokus fast immer auf den Einkaufspreisen. Doch laut Joost wird damit genau an der falschen Stelle optimiert.
Die größten versteckten Kosten stecken nämlich in allem drumherum:
- Verpackungen
- Lieferzuverlässigkeit
- Interne Handgriffe
- Nacharbeit
- Zeitverlust in der Produktion
Ein schlecht gewählter Karton, etwa aus billigem Importkarton, kann beim Transport auseinanderfallen. Teile gehen verloren, müssen neu gezählt oder sogar entsorgt werden. Das kostet Zeit, Aufmerksamkeit und Geld. Dabei ließe sich das mit einer minimalen Investition in eine gute Verpackung vollständig vermeiden.
Kleine Teile, große Folgen
Verbindungselemente werden oft als C-Teile betrachtet: günstig, standardisiert und leicht austauschbar. Doch genau das macht sie gefährlich.
Wenn eine falsche oder unvollständige Lieferung eintrifft, entstehen unmittelbar Probleme:
- Produkte können nicht endmontiert werden
- Monteure müssen mit alternativen Schrauben improvisieren
- Engineering-Vorgaben werden aufgegeben
- Die Qualität des Endprodukts verschlechtert sich
Im schlimmsten Fall steht eine komplette Produktionslinie still. Und dann ist der Schaden nicht mehr abzuschätzen.
Stillstand ist der teuerste Kostenfaktor überhaupt
Joost trifft im Gespräch eine wichtige Unterscheidung zwischen zwei Kundentypen:
- Projektgetriebene Organisationen, bei denen das Timing entscheidend ist
- Unternehmen mit kontinuierlich laufenden Produktionslinien
Für die letztgenannte Gruppe reicht ein einziges fehlendes Teil, um alles lahmzulegen. Manchmal wird das gelöst, indem jemand „mal eben schnell“ zum Baumarkt geschickt wird. Doch selbst wenn das klappt, steht die Linie in der Zwischenzeit still. Und jede Minute Stillstand kostet Geld.
Das sind Kosten, die selten den Verbindungselementen zugeschrieben werden, obwohl sie direkt dadurch verursacht werden.
Lieferzuverlässigkeit als absolute Grundvoraussetzung
Bei Kobout ist Lieferzuverlässigkeit kein Marketingversprechen, sondern eine harte Leistungskennzahl. Aufträge verlassen das Lager erst, wenn sie vollständig und korrekt sind. Eilaufträge werden visuell gekennzeichnet und erhalten absolute Priorität.
Das Ergebnis: 99,3 Prozent der Aufträge werden pünktlich, vollständig und mit dem richtigen Produkt geliefert.
Diese Präzision ist kein Zufall. Sie ist das Ergebnis jahrelanger Investitionen in Digitalisierung, Automatisierung und Prozesssteuerung.
Weniger Handgriffe bedeuten weniger Fehler
Ein wiederkehrendes Thema im Gespräch ist, dass Fehler fast immer durch manuelle Schritte entstehen. Deshalb wurden bei Kobout in den vergangenen zehn Jahren nahezu alle Prozesse digitalisiert:
- Auftragsabwicklung
- Bestandsverwaltung
- Kommissionierung
- Lieferung
- Monitoring über Dashboards
Indem alles messbar gemacht wird, wird auch Verbesserung möglich. Denn was nicht gemessen wird, lässt sich nicht steuern.
Die unterschätzten Kosten des „mal eben Lösens“
Eine Fehllieferung erscheint klein, doch die Auswirkungen sind groß. Intern bedeutet sie zusätzliche Arbeit: erneut kommissionieren, erneut verpacken, erneut versenden. Manchmal sogar mit einer Eilfahrt quer durchs Land, um ein Versprechen einzuhalten.
Interne Berechnungen zeigen, dass die Behebung einer einzigen Fehllieferung schnell mehrere Dutzend Euro pro Auftragsposition kostet. Und dabei sind der Druck vonseiten des Kunden, der Stress in der Organisation und die Störung der Planung noch gar nicht eingerechnet.
Intelligente Verpackungen sparen dauerhaft Zeit
Ein auffälliger, aber logischer Punkt im Gespräch betrifft die Verpackungen. Kobout arbeitet mit standardisierten, robusten Kartons, die:
- leicht zu öffnen und zu schließen sind
- wiederverwendbar bleiben, bis das Produkt aufgebraucht ist
- deutlich mit Farbcodes gekennzeichnet sind
- den Bedingungen in Produktionshallen standhalten
Das scheint ein Detail zu sein, sorgt aber dafür, dass Mitarbeiter schneller arbeiten, weniger Fehler machen und nicht suchen müssen. Kleine Optimierungen, große Wirkung.
Manuelles Sortieren ist ein stiller Zeitfresser
In vielen Fabriken verlieren Monteure täglich Zeit mit dem Zusammensuchen und Sortieren von Teilen. Mengen zählen, Materialien suchen, zwischen Lager und Arbeitsplatz hin und her laufen.
Kobout löst dies mit Kitting. Kunden liefern eine Stückliste, woraufhin komplette Sets zusammengestellt und pro Werkstück verpackt werden. Exakt die richtigen Mengen, deutlich gekennzeichnet, sofort einsatzbereit.
Was beim Kunden viel Zeit kostet, geschieht hier schneller, konsistenter und fehlerfrei.
Bestandsverwaltung ohne Rätselraten
Die Bestandsmengen werden bei Kobout auf Basis von Verbrauch, Parametern und Vereinbarungen mit den Kunden festgelegt. Fällt ein Produkt unter einen kritischen Wert, wird automatisch nachbestellt. Ist etwas vorübergehend nicht verfügbar, wird aktiv innerhalb Europas nach Alternativen gesucht, um Stillstand zu vermeiden.
Die Lieferzuverlässigkeit bleibt damit gewährleistet, selbst wenn internationale Lieferketten unter Druck stehen.
Zuschnitt nach Maß vermeidet Fehlerkosten in der Montage
Viele Gewindestangen werden in Standardlängen geliefert, obwohl sie fast immer nach Maß benötigt werden. Wenn Monteure das selbst erledigen, entstehen Risiken: Grate, unbehandeltes Metall und Qualitätsverlust.
Indem Gewindestangen vorab auf Maß gesägt, entgratet und behandelt werden, liefert Kobout ein sofort einsatzbereites Produkt. Die Nachfrage nach diesem Service ist so groß, dass der Maschinenpark in zwölf Jahren von einer Säge auf mehr als zehn angewachsen ist.
Bestellen ohne Reibungsverluste über das Portal
Über das digitale Kundenportal erhalten Kunden direkten Einblick in:
- verfügbare Bestände
- vereinbarte Preise
- technische Dokumentation
- Bestellmöglichkeiten, gegebenenfalls gekoppelt an das eigene ERP
Vor 15:00 Uhr bestellt bedeutet in der Praxis: am nächsten Tag geliefert. Weniger E-Mail-Verkehr, weniger Fehler, weniger Abhängigkeit von manueller Kommunikation.
Versteckte Kosten sichtbar machen
Nicht alles muss aus dem Bauch heraus entschieden werden. Kobout hilft Kunden dabei, Prozesse transparent zu machen und durchzurechnen. Gemeinsam mit Finance, HR und Supply Chain wird geprüft:
- wo Zeit verloren geht
- wo Fehler entstehen
- welche Schritte überflüssig sind
Oft zeigt sich, dass Sekunden pro Handgriff, multipliziert über Tausende Wiederholungen, zu enormen Kostenposten führen. Aber auch zu großen Einsparungen, sobald sie angegangen werden.
Der wichtigste Schritt: das Gespräch beginnen
Der größte Quick Win ist laut Joost bemerkenswert einfach: das Gespräch suchen. Nicht ausgehend von Produkten, sondern von Prozessen. Nicht ausgehend vom Preis, sondern von der Wirkung.
Wer bereit ist, kritisch auf die „kleinen“ Teile in der Kette zu blicken, entdeckt schnell, wo das eigentliche Geld verloren geht – und wie sich das dauerhaft vermeiden lässt.
